Spaziergang durch die Majolika Manufaktur Karlsruhe

Ton

Zu Beginn eines jeden Kunstwerkes steht der Ton. Doch Ton ist nicht gleich Ton.

Es gibt ihn in verschiedenen Arten und Farben wie weiß, rot oder braun. Der Ton wird in Pulverform aus dem Westerwald geliefert und dann mit Wasser und Stellmitteln weiterverarbeitet. Je nach Wasserzugabe kann der Ton zum Formen und Pressen oder zum Gießen verwendet werden.

Entwurf

Entworfen werden die keramischen Kunstwerke entweder malerisch per Zeichnung oder Gemälde, plastisch als Modelle oder graphisch per Computer. Diese werden an den Formenbau weitergeleitet.



Entwurf (malerisch)



Entwurf am Computer

Formenbau

Für Kleinserien werden sowohl zum Pressen, Drehen als auch zum Gießen Gipsformen hergestellt, für größere Serien ab ca. 50 Exemplaren zuzüglich sogenannte Mutterformen. Das Formenlager der Majolika umfasst über 5000 Formen - den Schatz der Manufaktur.



Formenlager

 





Formenbau

Pressen

Der Ton wird zur Produktion von Platten und Fließen gepresst.

Drehen, Einformen, Frei Aufbauen

Eine weitere Art der Herstellung ist das Drehen. Es gibt das Eindrehen, das Überdrehen und das Freidrehen. Hierbei entstehen runde keramische Gegenstände wie Schalen, Vasen, Teller oder Krüge. Die Unterschiede ergeben sich aus den Techniken.

Freidrehen






Überdrehen

Große Figuren werden in die Form eingedrückt und bleiben bis zu einer Woche in der Form. Das freie Aufbauen geschieht ohne Töpferscheibe oder Form. Die Tonwülste werden spiralartig aufgebaut und verstrichen. Auch bei der Weiterverarbeitung von Tonplatten und der Montage von Tonbestandteilen spricht man von freiem Aufbauen.



Eindrücken

 





Eindrehen

Gießen

Für viele Figuren, wie Vasen oder Schalen, werden Formen aus Gips angefertigt, die die Serienproduktion von Einzelteilen vereinfacht. Der flüssige Ton wird in die meist mehrteiligen Formen eingegossen. Die Form wird verschlossen und nach ca. einer Stunde wird der überflüssige Ton wieder aus der Gipsform abgegossen. Es bildet sich eine dünne Wand, da der Gips dem Ton die Flüssigkeit entzieht. Die Form bleibt dann ca. 12 Stunden lang zum Trocknen stehen. Der Ton an der Forminnenwand wird lederhart und kann dann ausgeformt werden.



Beim Gießen

 



Retusche

Wenn der Ton aus der Form kommt bleiben Nähte und Grate zurück, die nun retuschiert werden. Bei komplizierten Figuren werden Teilen angarniert und mit Tonschlicker zusammengehalten.



Retusche






Retusche

Trockenphase

Nach diesen Arbeitsgängen bleiben die Exponate zwischen einigen Tagen und Wochen in Trockenräumen stehen.

Labor

Das Labor ist eine Entwicklungs- und Kontrollinstanz. Hier werden die speziellen Majolika-Glasuren und besondere Tonmischungen entwickelt, insbesondere auch die frostsicheren Tonmassen und Glasuren für den Außenbereich, die Produktion und Qualität überprüft.

Im Labor







Im Labor

Glasur/Malerei

Die Glasur ist ein glasartiger Überzug, der zum Dichtmachen von Scherben verwendet wird. Sie ist eine Schutzschicht und als künstlerisches Element dient sie zur Farbgebung und Oberflächenstrukturierung. Die Glasur entsteht aus Wasser, Silikatenpulver und Stellmitteln. Das Pulver wird zur Verfeinerung in Porzellanmühlen gemahlen. Es gibt farbige, durchsichtige oder weiße Glasuren, die zum Dekor der Werke dienen.

Engoben

Schlicker aus farbigem oder gefärbtem Ton, der auf noch ungebrannte Objekte aufgetragen wird, sei es als Überzug der später noch bemalt wird, oder mit Pinsel als Schlickermalerei.

Unterglasur

Aus schwer schmelzbaren Farben wird diese aufgetragen und anschließend mit durchsichtiger Glasur überzogen.

Aufglasur

Aus leicht schmelzbaren keramischen Farben wird diese auf die bereits glattgebrannte Grundglasur aufgetragen und eingebrannt.

Fayence/Majolika

Weiß deckende Zinnglasur auf gedrückten Exponaten. Die farbige Bemalung erfolgt in die Glasur, was sehr schwierig ist. Danach erfolgt der 2. Brand.



Malerei




Malerei

Spritzerei

In der Spritzerei wird die Glasur auf die Werke aufgetragen. Dies geschieht meist mit einer Pistole mit der die Glasur gleichmäßig aufgespritzt wird. Man kann die rohen Formen aber auch bepinseln, beschütten oder tauchen.



Spritzerei



 



Eintauchen

Brennen

Der Ton wird zunächst bei ca. 940° Celsius in Elektro- oder Gasöfen gebrannt. Hierbei entsteht der Schrühbrand. Nun wird der Ton glasiert oder bemalt und ein weiteres Mal zum Glattbrand in den Ofen gegeben, wobei die Temperatur nun bei 940 - 1140° Celsius liegt. Durch die Gesamtschwindung wird die Tonmasse 4-15% kleiner. Die Temperaturen werden vom so genannten Pyrometer abgelesen und durch die Segerkegel nochmals zur Absicherung kontrolliert.



Das Innere des Brennofens

 

 



Das Innere des Brennofens

Nachdem der Ton nun all diese Stationen durchlaufen hat, kann er sich endlich Keramik nennen. Somit entstehen jeden Tag neue Kunstwerke in der Majolika Manufaktur in Karlsruhe.



Der Majolika Brennraum


Entstehungsweg einer Keramik am Beispiel des Eisbären
für den Karlsruher Zoo mit der Aktion "Wir helfen mit"