Majolika "Kunst am Bau" - Projekt bei der LBBW

Das Projekt „Sohn und Erbe“ forderte die Majolika auf besondere Weise.

Einmal in den Dimensionen, da Teile bis an die Grenzen der größten Majolika Brennöfen reichten, zum anderen wegen der anspruchsvollen Glasuren, da diese aufgrund des Standortes im Außenbereich auf die hochgeschrühte Steinzeugmasse aufgebracht werden mussten. 

Das Majolika Team unter der Leitung von Maria Figiel und Roland Wurst leistete dabei hervorragende Arbeit. Der Keramikformer Harald Korneth formte die Köpfe und den Hut, sein Kollege Steffen Zischke formte die überdimensionale Hutkrempe und den Hutdeckel; diesen aus einem Stück. Die vielfarbigen, leuchtenden Majolika Glasuren trug Marlies Deschenhalm perfekt auf. Das mehrmalige Brennen der Großobjekte bewältigte Majolika Brennmeister Fiodor Felski souverän. Der Auf- und Zusammenbau des Kunstwerkes vor Ort dauerte dann nochmals mehrere Wochen. Unter der Anleitung von Keramikingenieur Roland Wurst wurde dabei eine spezielle Verbindungstechnik geschaffen, Ring für Ring aufgesetzt und von Hand mit Beton ausgefüllt. 

Insgesamt dauerte die Fertigung des Gesamtwerkes von Uwe Henneken mehrere Monate. Der Künstler überwachte immer wieder den Fortgang der Arbeiten, ebenso begleitete ein Fernsehteam den Entstehungsprozess und wird auch bei der Enthüllung dabei sein.  

Mit diesem Projekt im Auftrag der LBBW Immobilien, zeigt die Majolika Manufaktur ihre Kompetenz in Keramik, Technik, Glasur, Kunsthandwerk und in der Ablauforganisation. Die gute Zusammenarbeit bezüglich der Statik mit dem Architekturbüro Wilford Schupp, Stuttgart, Architekt Stephan Gerstner und mit Bilfinger & Berger, Bauingenieur Karsten Kiefert, der für die Montage immerhin einen 700 t Autokran einsetzte, da der Standort nur über einen langen Ausleger zu erreichen war, sei hier nochmals erwähnt. Das Vertrauen in ein keramisches Kunstwerk dieser Größenordnung und in die Majolika Manufaktur durch die frühere LEG, heute LBBW-Immobilien, sowie der LBBW als Nutzer hier am Standort Karlsruhe, bestätigt die erfolgreiche neue Ausrichtung der traditionsreichen Majolika Manufaktur. Mit diesem Meisterwerk hofft die Majolika auf weitere Aufträge im Innen- und Außenbereich von Gebäuden in Ergänzung besonderer Architektur – denn Kunst aus der einzigARTigen Majolika gehört im Land zum guten TON.

Staatliche Majolika Manufaktur
Karlsruhe, 2. Juli 2008

Der buntscheckige Vanguard, der in zahlreichen Werken Uwe Hennekens auftaucht, hat das Reich der romantischen Bildlandschaft verlassen und lugt nun mit blau gelben Augen unter einem Hutdeckel in schwindelerregender Höhe hervor. Neugierig schaut er auf den rotnasigen Kopf hinunter, der mit Nickelbrille versehen einer Art Gelehrten zu gehören scheint. Der kühne aber auch äußerst ängstlich dreinschauende Vanguard macht den Eindruck, als wenn er sich fragen würde, wo er sich denn nun eigentlich befindet? Normalerweise späht er in Hennekens Bilder mit seinen farbigen Augen, über die Horizontlinie, von hohen Bergen in die unterschiedlichsten Täler oder von riesigen Wellen in stürmische Brandungen. Vor allem aber beschleicht bei seiner Anwesenheit und seinem Blick den Betrachter immer das mulmige Gefühl, man selbst sei das eigentliche objectivum observatum.

Dieser neugierige Vanguard, der in militärischer Sprache Vorhut heißt und mit dem Wort „Avantgarde“ eng verknüpft ist, trägt von beiden Seiten Eigenschaften in sich. Sogar tauchte er als Graffiti in den von Amerikanern und Briten befreiten Städten, in Form eines an die Wände gesprühten comichaften Männchens auf. Symbol einer neuen Okkupation. „Killroy was here“. Bei Henneken ist dieses farbige Strichmännchen nun plastisch, dennoch nicht ganz selbständig geworden. Es hat sich von der idyllischen Landschaft gelöst und blickt nun aus dem Hut des Gelehrten ausgerechnet vor einer Finanzmacht, der gerade frisch fertig gewordenen Landesbank Baden-Württemberg hervor. Dass die Skulptur in einem direkten Dialog mit der Architektur tritt, zeigt allein die Farbauswahl Hennekens: Neon-grün, Neon-blau, pink. Während das Architekturbüro Wilford Schupp allerdings einen äußerst modernen, beinah traditionsfreien, fast schwebenden Gebäudekomplex entwarf, ruht der Greisenkopf Hennekens auf einem schlicht angedeuteten altdeutschen Häuschen. Die Tradition besitzt hier genauso ihre Berechtigung wie die Zukunft. Insofern wird der Vanguard als das Neue aus dem Kopf des Alten geboren, in dem ewigen Kreislauf, wird der Sohn zum Erbe.

Henneken hat einen Großteil seines Studiums in Karlsruhe bei Prof. Helmut Dorner absolviert und seine Werke in der Stadt schon bei mehreren Ausstellungen der Galerie Meyer Riegger gezeigt. Die in der traditionsreichen und berühmten Majolika Karlsruhe entstandene Keramikskulptur „Sohn und Erbe“ findet vor der Landesbank Baden Württemberg ihren dauerhaften Standort und wird am Montag, den 14. Juli 2008 feierlich an ihre neuen Eigentümer übergeben. 

Uwe Henneken
Berlin, 25.06.2008

 

 

 


 

 

 

 

Uwe Henneken prüft in der Majolika Formerei den Aufbau des Kopfes durch den Keramikformer Harald Korneth. Im Hintergrund Anton Goll, Geschäftsführer der Majolika.

 

 

   Uwe Henneken bei der Abnahme des prägnanten Kopfes mit dem Keramikformer Harald Korneth.

 

 


 

 

 

 

Uwe Hennken prüft die überdimensionale Hutkrempe.
Neben ihm der Leiter der Baukeramikabteilung der Majolika Keramikingenieur Roland Wurst, die Betriebsleiterin und Innenarchitektin Maria Figiel sowie Keramikgestalter
Harald Korneth.
 

 

 

Uwe Henneken bei der Auswahl und Prüfung der aufwendigen Spezialglasuren
mit Roland Wurst und Maria Figiel.

 

 
 



 

 

 

 

Frisch aus dem Ofen:
die Hutkrempe – zunächst im Schrühbrand, dann mit spezieller lila Glasur überzogen und dann nochmals zum Glattbrand in dem großen Majolika Brennofen.

 

 

 

Das Majolika Team beim Aufbau des rund 8 m großen Kunstwerkes neben dem Neubau der LBBW in Karlsruhe.


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